Stress und körperliche Symptome - warum sich psychische Belastung oft im Körper zeigt
- Mag. Michaela Höfer

- 1. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. Dez. 2025
Stress – die Würze des Lebens... und ein uraltes Schutzprogramm
Stress begleitet uns heute fast selbstverständlich durch den Alltag. Viele erleben ihn als etwas Belastendes oder Bedrohliches. Dabei ist Stress zunächst kein Feind, sondern ein uraltes, überlebenswichtiges Programm unseres Körpers.
Ursprünglich diente Stress dazu, uns in Gefahrensituationen schnell handlungsfähig zu machen. Wenn unser Gehirn eine Bedrohung erkennt, schaltet der Körper innerhalb von Sekunden in den Alarmmodus: Das Herz schlägt schneller, die Atmung beschleunigt sich, die Muskeln spannen sich an. Energie wird mobilisiert, um kämpfen, fliehen oder erstarren zu können.
Dieser Mechanismus hat das Überleben unserer Vorfahren gesichert – und er wirkt bis heute weiter.
Was im Körper bei Stress passiert
Bei einer Stressreaktion werden vor allem Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol ausgeschüttet.
Adrenalin steigert Herzfrequenz, Muskelspannung und Reaktionsgeschwindigkeit.
Noradrenalin erhöht Wachsamkeit und Konzentration.
Cortisol hält den Körper länger im Aktivierungsmodus und stellt Energie bereit.
Gleichzeitig werden Funktionen, die in einer Gefahrensituation nicht notwendig sind, heruntergefahren – etwa Verdauung, Sexualfunktion oder langfristige Regenerationsprozesse.
Selbst die Blutgerinnung wird erhöht, um im Notfall Blutverluste zu minimieren.
Kurzfristig ist das sinnvoll und leistungssteigernd. Problematisch wird es dann, wenn dieser Zustand zu häufig, zu intensiv oder zu lange anhält.
Stress und das Gehirn: Denken im Notfallmodus
Auch im Gehirn verändert Stress die Arbeitsweise deutlich. Ein zentraler Akteur ist die Amygdala, unser inneres Alarmsystem. Sie erkennt potenzielle Gefahren und löst die Stressreaktion aus.
Bei starkem Stress übernimmt die Amygdala die Kontrolle. Der präfrontale Kortex – zuständig für rationales Denken, Planung und Selbstkontrolle – wird in seiner Aktivität gedrosselt. Das Gehirn trifft dann keine durchdachten Entscheidungen mehr, sondern reagiert schnell und automatisch.
In akuten Gefahrensituationen ist das lebensrettend. Im heutigen Alltag jedoch – bei Zeitdruck, Konflikten oder ständiger Erreichbarkeit – führt dieser Notfallmodus oft zu Überreaktionen, innerer Unruhe und Erschöpfung.
Wenn Stress chronisch wird
Entscheidend für die Auswirkungen von Stress ist nicht nur seine Intensität, sondern vor allem seine Dauer.
Chronischer Stress hält den Körper dauerhaft im Alarmzustand.
Extremstress oder traumatischer Stress kann in kurzer Zeit enorme Mengen an Stresshormonen freisetzen.
Bleiben diese Zustände bestehen oder werden nicht ausreichend verarbeitet, kann Stress langfristig krank machen – körperlich wie psychisch.
Körperliche Folgen von dauerhaftem Stress
Ein dauerhaft erhöhter Spiegel an Stresshormonen belastet zahlreiche Organsysteme. Häufige Folgen sind unter anderem:
Herz-Kreislauf-Belastungen wie Bluthochdruck
chronische Muskelverspannungen
erhöhter Blutzucker bis hin zu Diabetes Typ II
Besonders häufig treten auch Verdauungsprobleme auf. Cortisol hemmt die Aktivität des Parasympathikus, der für Entspannung und gesunde Verdauung zuständig ist. Die Folge können Magenschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Verstopfung oder ein Reizdarm sein.
Auch das Immunsystem leidet unter chronischem Stress. Zwar wirkt Cortisol kurzfristig entzündungshemmend, langfristig schwächt es jedoch die körpereigene Abwehr. Infektanfälligkeit, verzögerte Wundheilung und chronische Entzündungen können die Folge sein.
Stress und psychische Gesundheit
Stress wirkt nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Psyche. Er steht in engem Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen.
Chronischer Stress verändert die Funktionsweise des Gehirns:
Der Hippocampus, wichtig für Gedächtnis und emotionale Einordnung, wird geschwächt.
Der präfrontale Kortex arbeitet weniger effizient.
Die Amygdala reagiert zunehmend überaktiv und sieht auch in harmlosen Situationen Gefahr.
So kann es passieren, dass selbst alltägliche Auslöser – ein Stau, eine E-Mail, eine Wartesituation – starke Stressreaktionen hervorrufen. Diese dauerhafte Überaktivierung erschöpft Körper und Geist und kann langfristig zu Erschöpfungszuständen führen.
Stress verstehen – ein erster Schritt zur Entlastung
Stress kann leistungssteigernd, motivierend und schützend sein. Gleichzeitig kann er krank machen, wenn er dauerhaft wirkt. Genau deshalb ist es so wichtig, die eigenen Stressreaktionen zu erkennen, zu verstehen und bewusst zu regulieren.
Ein gesunder Umgang mit Stress setzt auf mehreren Ebenen an:
bei äußeren Stressoren und inneren Ressourcen
bei persönlichen Einstellungen und Bewertungen
bei der körperlichen Stressreaktion selbst
Schon kleine Veränderungen können helfen, das Nervensystem zu entlasten und wieder mehr innere Stabilität zu finden.
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In dieser Podcast-Folge erkläre ich ausführlich, wie Stress im Körper entsteht, warum er uns leistungsfähig macht – und wann er beginnt, uns zu schaden.
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